Die 4. Internationalen Solid Konferenz am 19.9.2019 stand unter dem Thema "Digital ist mehr als BIM". Dort wurde diskutiert, wie digital die Baustelle bereits ist, bzw. sie noch werden kann.

Der Wunsch nach der digitalen Baustelle wurde bei der Solid Konferenz diskutiert. Foto: Solid

Wie digital ist die Baustelle 2020? Diese Frage stellten sich Experten aus der Baubranche bei der großen Podiumsdiskussion, die den Abschluss des Thementags darstellte, und waren sich einig: Es gibt noch viel zu tun. "Was die Digitalisierung angeht, ist die Baubranche gegenüber anderen Branchen noch 5-10 Jahre hinterher", schlussfolgerte Werner Heinz Bittner, CEO von Umdasch Group Ventures GmbH. "Am wichtigsten ist die durchgängige Integration. Das funktioniert aktuell noch sehr zäh, aber sollte das Ziel sein, wo wir hinmüssen."

BIM als Ausrede

Genau damit beschäftigt sich auch Wolfgang Kradischnig, der Vorstand und Initiator des IG Lebenszyklus Bau und Geschäftsführer der Delta Holding: "Die IG Lebenszyklus beschäftigt sich intensiv mit der Integration der Digitalisierung. Diese muss in den Lebenszyklus integriert sein - von der Planung bis zum digitalen Zwilling des fertigen Gebäudes. Doch welche Rahmenbedingungen braucht es dazu? Ich denke, BIM wurde viel zu lange als Ausrede verwendet. Es ist am Ende des Tages nur ein Tool, das bei der Interaktion und beim Austausch von Informationen hilft. Eine Gruppe Menschen, die gemeinsam baut, muss zum Team werden und sich als solches fühlen."

Große Verunsicherung

Peter Krammer, Vorstand von Segment Nord+West der STRABAG geht sogar so weit, zu sagen, dass es aus diesem Grund eine große Verunsicherung gibt: "Als die Digitalisierung das erste Mal angesprochen wurde, gab es eine große Verunsicherung, was jetzt alles passieren würde. Inzwischen bewegt sich die Verunsicherung in die andere Richtung, weil alles viel zu langsam geht und es riesige Unterschiede zwischen Regionen und Länder gibt. Das ist zum Teil für alle sehr frustrierend, weil wir einfach noch nicht so weit sind, wie wir gerne wären. Doch die integrierte Digitalisierung ist nur möglich, wenn bereits die Planung digital stattfindet. Ansonsten macht der gesamte Prozess keinen Sinn. "

Erziehung der Bauherren

Karl Weidlinger, Geschäftsführer SWIETELSKY Baugesellschaft m.b.H & Präsidiumsmitglied öbv, VIBÖ und GESTRATA ist allerdings optimistisch: "Ich denke, wir werden 2025 einen schönen Schritt weiter in der Digitalisierung sein. BIM ist nur ein Teil davon, die Digitalisierung muss sich über alle Bereiche ziehen. Es muss dafür ein kompletter Kulturwandel passieren. Es ist nötig, erst später zu bauen zu beginnen oder früher genaue Klarheit zu schaffen, was der Kunde möchte. So kann nicht nur Zeit und Geld eingespart werden, späte Planung führt zum Chaos. Bauherren müssen erzogen werden. "

Analoge Probleme lösen

Wilhelm Reismann, Geschäftsführer von iC consulenten Ziviltechnik GmbH & tbw solutions ZT GesmbH und Leitung der Plattform 4.0 stimmt dem zu: "Bauherren brauchen keine guten Berater. Wir brauchen gute Bauherren. Alle haben verlernt zu bauen. Die Technik ist da, der Grundprozess funktioniert, aber die Art und Weise des Gedankens Planen - Betreiben - Bauen muss verändert werden. Wir sollten die Digitalisierung als Anlass nehmen, analoge Probleme zu lösen." (sgl)

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