Kommentar von Günter Lang
Geschäftsführer Lang consulting, Experte im Bereich Passivhaus
Da sich bei den Diskussionen um die thermische Sanierung alles immer nur auf die Steigerung der Sanierungsrate konzentriert, ist es mir wichtig, genau diese Relation und Wechselwirkung zwischen Sanierungsqualität und Sanierungsrate heraus zuarbeiten.
Foto: Caio Resende / Pexels
Derzeit liegt die (umfassende) thermische Sanierungsrate in Österreich bei nur rund 0,7 %. Ein Grund dafür ist in den relativ niedrigen Energiepreisen zu finden. Ein weiterer Grund für die „Sanierungs-Unwilligkeit“ ist auch darin zu finden, dass die Förderlandschaft vielfältig, kompliziert und für viele undurchsichtig ist, und sich manche Förderungen sogar gegenseitig behindern. In Summe führt dies bei vielen Verantwortlichen zur Einstellung: „Dann lasse ich es gleich“.

Die Reaktion der Politik darauf ist allerdings genau die Verkehrte. Anstatt den Förderdschungel zu lichten, werden die Qualitätskriterien zur Erlangung einer Förderung zurück geschraubt, was nebenbei vollkommen den Klimaschutz-Zielerreichungen widerspricht. Wenn Österreich sich jedoch klar und eindeutig zu Klimaschutzvereinbarungen verpflichtet hat, dann sind neben Bauordnung auch die Förderregelungen klar danach zu adaptieren.

Sogenannte Gießkannen-Förderungen, bei denen man es Jedem recht machen will, haben keinen Platz mehr, da sie klar die Ziele verfehlen. Gefördert kann nur noch jenes Gesamtergebnis einer umfassenden Sanierung werden, bei der eine enkeltaugliche Lösung herauskommt. Hierfür soll jedoch auch mehr Geld zielgerichtet zur Verfügung gestellt werden. Dann gibt es eine klare Botschaft und die Bauherrschaft wird es auch vermehrt wieder in Anspruch nehmen.

Prinzipiell ist eine Steigerung der Sanierungsrate zu begrüßen, wie dies in der Energie-Klima-Strategie Mission 2030 ja auch verankert ist. Mir war und ist es aber auch wichtig, die Relation und Wechselwirkung zwischen Sanierungsqualität und Sanierungsrate heraus zuarbeiten.
Günter Lang

Günter Lang

Geschäftsführer Lang consulting, Experte im Bereich Passivhaus

führt Exkursionen auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Passivhäusern. Wer das Passivhaus wirklich kennen lernen will muss es erleben. 

Kommentare  

#4 Günter Lang 2019-03-21 18:38
Lieber Peter,
ich ünterstütze ebenso den umfangreichen Einsatz von erneuerbarer Energie. Dabei müssen wir berücksichtige, dass wir diese neben Heizen/Kühlen und Warmwasser, auch für alle andere elektronishce Geräte, die Elektromobilitä t und vieles mehr benötigen. Auch ist es bei Mehrfamilienhäu sern nicht so einfach wie bei Einfamilienhäus ern, eine Photovoltaikanl age zu installieren. Hier wären aber rechliche Änderungen wichtiger als Förderungen.
Daher wird es notwendig sein, das Maximum an Energieeinsparu ng bei Gebäuden herauszuholen, um eine vollständige Umstellung auf Erneuerbare sicherzustellen.

Übrigens, gut gedämmte Häuser mit Wohnraumlüftung , haben noch weit mehr Vorteile, als lediglich weniger Energie zu benötigen: Die Bewohner sind befreit von lästigen Umwelteinflüsse n (Lärm, Pollen, Abgase, Insekten) und haben rundum angenehme Temperaturen und frische Luft.
Es lohnt sich also mehrfach, gut zu bauen und zu sanieren.
#3 Peter Claassen 2019-03-15 10:20
Wir beklagen uns über die Erderwärmung, was doch deutlich zeigt, dass wir viel zu viel Energie haben. Und gleichzeitig verwenden wir zu viel fossile Energie. Die eigentliche Zielsetzung müsste daher sein, so wenig wie möglich fossile Energie einzusetzen und so viel wie möglich Wärme der Sonne zu entnehmen.

Eine Sanierung mit Vollwärmeschutz kostet heute oft gleich viel wie die Errichtung einer regenerativen Wärmeversorgung . Daher wäre mein Vorschlag, die Förderkriterien so zu ändern, dass der beste Effekt gegen die Erderwärmung erzielt wird, und es offen zu lassen ob man dafür isolieren will oder sich kostenlose Energie aus der Natur besorgt. Das sollte jedem einzelnen überlassen werden.

Ein Beispiel: würde man die Kosten für die Erdwärmebohrung en halbieren, könnte sich das fast jeder leisten und gleich viel sparen wie durch Isolierung.
#2 Günter Lang 2019-03-14 12:42
Lieber Jan,
richtig, leider haben wir dieses Problem nicht nur in Österreich, sondern weltweit (sofern es überhaupt Sanierungsförde rungen gibt). Angesichts dieser Dimensionen, ist es daher so bedeutend für den Klimaschutz, dass wir bei Sanierungen auf die Qualität achten. Unsere Länder haben bereits das Know-how, somit lasst uns die Vorreiter sein.
#1 Jan Tywoniak 2019-03-14 12:05
Lieber Günter,
wie in der Natur, der Dschungel kennt keine Grenzan - die staatlichen auch nicht. Landschaft identisch diesbezüglich.

Jan Tywoniak
TU Prag, Tschechien

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