Albanien gehört zu den ärmsten Ländern Europas. Dennoch stammen 100 % des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Wie das? 

Serie: Über 90 %: Vorbilder der grünen Energie

Weltweit erzeugen zwölf Länder ihren Strom aus über 90 % erneuerbaren Energiequellen. Zum Vergleich: Österreich kommt auf 74 %. Was machen diese Länder anders und besser und wie kamen sie hierher?


Albanien: Eines der wenigen Länder der Welt mit 100 % Strom aus erneuerbaren Quellen.

Weltweit gibt es nur vier Länder, deren erzeugte Energie zu 100 % aus erneuerbaren oder unendlichen Quellen stammt. Das erste von ihnen gehört nicht zu den reichsten Ländern der Welt. Stattdessen findet es sich auf Platz 98 gerechnet am BIP/Kopf ein und auf Platz 68 des Human Development Index und sitzt am südlichen Ende des Balkans. Werfen wir also einen Blick nach Albanien.  

Zuerst noch ein wenig Kontext: Albanien hat etwa 2,8 Mio. Einwohnende und eine Fläche von 28,748 km2. Also ungefähr die kombinierte Fläche von der Steiermark und Kärnten. Bis 1990 befand sich das Land unter einer kommunistischen Regierung, mittlerweile arbeitet es aber auf stärkere Beziehungen mit der lokalen und internationalen Nachbarschaft hin und ist aktuell Kandidat für einen EU-Beitritt. 

Woher kommen die 100 %?
Die Frage drängt sich auf: Wie kommt es, dass eines der ärmsten Länder Europas gleichzeitig eines der erfolgreichsten bei der Produktion von erneuerbarer Energie ist? Insgesamt 7783, 9 GWh an grünem Strom waren es 2016. Die Ursprünge dafür liegen an den Aussagen „Not macht erfinderisch“ und „Arbeite mit dem, das du hast.“ 

Wovon Albanien mehr als genug hat? Wasser. Und dieses vorhandene Wasser hat das Land zu nutzen gelernt. Unter anderem, in dem es eine Vielzahl an Wasserkraftwerken an den Flüssen des Ladens errichtet hat und nun fast seinen gesamten Strom aus Wasserkraft bezieht. Die drei größten Wasserkraftwerke befinden sich alle am Fluss Drini und haben zusammen eine Kapazität von 1.350 MW. Die einzigen anderen Stromerzeuger des Landes sind PV-Module, die aber auf gerade einmal 1,9 GWh im Jahr kommen. 

Pro und Contra
Das Positive an dieser gegenwärtigen Situation: Der CO2-Ausstoß pro Kopf ist einer der geringsten weltweit. Das Negative: Albanien baut beinahe seine gesamte Energiewirtschaft auf eine einzige Ressource auf. Ist diese Ressource knapp, kann das Land seinen Stromverbrauch nicht mehr mit der eigenen Produktion decken und muss aus benachbarten Ländern zukaufen. Das passierte zum Beispiel im Jahr 2007, als Albanien die Hälfte des benötigten Stroms importieren musste.  

Dieser Mangel an Variantenreichtum liegt nicht daran, dass es dem Land an alternativen Möglichkeiten fehlen würde. Im Gegenteil wäre Albanien zum Beispiel prädestiniert für einen Ausbau von Photovoltaik. Im Schnitt könnte man jährlich 1.500 kWh/m2 produzieren. Im sonnenreichen Westen und Südwesten des Landes sogar noch mehr. 

Wind, Müll und mehr Wasser
Auch Potentiale für Windkraft wären gegeben. Hier sind die Messungen aber noch nicht so weit fortgeschritten, dass man genaue Angaben machen kann. Ähnliches gilt auch für die Verwendung von Biomasse und Müllverbrennung. Hier gehen Schätzungen aber davon aus, dass man mit dem produzierten Müll alleine auf 571,1 GWh im Jahr kommen könnte. Hinzu kommen ungenutzte Chancen bei der Wasserkraft. Bisher würden nur 35 % des gesamten Potentials in Albanien genutzt.  

Insgesamt ist Albanien damit aber international dennoch in einer überraschend guten Position. Erneuerbare Energien haben jetzt schon einen hohen Stellenwert im Land und man muss keine Kohle- oder Atomkraftwerke ersetzen, sondern kann einfach dazu bauen. Dadurch gehen auch keine Arbeitsplätze verloren, sondern kommen nur dazu.  

Daraus zu lernen
Was kann ein Staat wie Österreich mit seinen rund 75 % Anteil erneuerbarer Energie daraus mitnehmen? Wohl am ehesten, dass es auch ohne fossile Ressourcen geht, wenn man nur einen Blick darauf wirft, was man hat. Man muss die bestehenden Möglichkeiten nur nutzen. Gleichzeitig aber auch, dass man sich nicht allein auf eine Ressource verlassen darf. Stattdessen muss ein ausgeglichener Mix an verschiedenen Quellen entstehen, der auf diverse Schwankungen im Wetter reagieren kann. (flb)

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