Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Wenn die Elektromobilität rasch gelingen soll, müssen die Städte mitspielen. Aber Wien will offenbar keine Elektro-Autos. Das Angebot an Ladesäulen in der Bundeshauptstadt ist jedenfalls ein Witz. Vielleicht ändert sich etwas mit dem neuen Bürgermeister.
Zu wenige Ladepunkte für zu viele Autos. Alltag im E-Entwicklungsland Wien. Foto: Starmühler
Unglücklicherweise haben wir unser Büro im ersten Wiener Gemeindebezirk. Der ist zwar mittlerweile zu einer Touristenmeile mutiert, die Fremdenführer jubilieren, ein Hotspot für E-Mobilität ist er nicht geworden. Sämtliche Elektromobilisten hier in Büronähe kämpfen um eine einzige Ladesäule, die von der Telekom liebenswürdigerweise irgendwann mal eingerichtet worden ist. Alle anderen Beteuerungen von Planungs- und EnergiestadträtInnen, wonach man nun in Wien massiv die E-Mobilität forcieren wolle, zerschellen an der sichtbaren – oder leider unsichtbaren – Realität.
Während immer mehr Gemeinden mehr oder weniger beherzt die Mobilitätswende in Angriff nehmen, schläft Wien den elektrischen Dauerschlaf.
Da hilft auch nichts, wenn medientauglich seit Jahren auf die Installation von 1.000 Ladepunkten (an 500 Ladesäulen) hingewiesen wird. Erst gaaanz langsam werden die montiert.
Warum schläft also Wien in der Pendeluhr? Frau Maria Vassilakou, die mit-zuständige Energie-Stadträtin von Wien, von uns dazu befragt, verweist darauf, dass auch E-Autos Parkplätze benötigen und man sowieso für den öffentlichen Verkehr einträte. Und für Radfahrer und Fussgänger. Bleibt die Frage, welche Art von Individual-Fahrzeugen die Restmenge darstellen, wenn man bei diesem Wunsch-Szenario angekommen sein wird (in 50 Jahren?). Denn die verbleibenden Fahrzeuge sollten doch bitte keinen Auspuff mehr haben, oder? Und alle Handwerker-Autos, Reinigungsmaschinen, Busse, Lastenräder – die sollten doch auch elektrisch unterwegs sein, jedenfalls lokal emissionsfrei.

Eben, das spricht erst recht dafür, möglichst rasch alles zu tun, um die Mobilitätswende in Wien zu forcieren. Daher unsre Bitte an Herrn Bürgermeister Ludwig – machen Sie uns zu Ihrem Clientel. Lassen Sie Ladesäulen bauen, was das Zeug hält, reißen Sie sämtliche bürokratische Hürden nieder, die das Laden in Wohngebäuden hier hemmen und überholen Sie die Langsamfahrer in Wien. Ihre Chance!
Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#1 Der neue Bürgermeister war 2018-07-13 13:01
Wohnbaustadtrat und hat es in dieser Funktion nicht ermöglicht, dass in den Garagen der Gemeindebauten potentielle Elektroautobesi tzer Ladestationen montieren durften.

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