Jedem ist bewusst, dass verschieden Farben verschiedene Bedeutungen haben. Nicht umsonst trägt man bei einer Hochzeit weiß, einem Begräbnis schwarz und streicht kein Kinderzimmer rot, wenn man kein Freund von Wutausbrüchen ist. Doch Farben wirken nicht nur auf unser gelerntes Bewusstsein, sondern haben auch sehr viel mit unserem Unterbewusstsein und unserem Wohlbefinden zu tun. 
Foto: Magda Ehlers / Pexels
Aus diesem Grund hat sich als Unterkategorie der Gebäudesoftskills auch das Thema der Farbenlehre heraus kristallisiert. Pia Anna Buxbaum Architektin, diplomierte Farbberaterin und Farbdesignerin, erklärt für IBO (Österreichisches Insitut für Bauen und Ökologie), was es damit auf sich hat.

Farben als Gebäudesoftskills
In der Praxis werden Farben an verschiedenen Gebäudeteilen in Kombination mit Materialien funktionell und auch emotional verwendet. Hierbei geht es sowohl um die Optik, als auch um die Unterstützung von menschlichen Bedürfnissen in den Räumen. Dies erfolgt vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnise und Erfahrung, beispielsweise auch aus Proportions- und Kontrastlehren über deren Wirkung im Raum. 

Farben als Orientierungshilfe der Natur 
Dass die Wechselwirkung zwischen Menschen und Farben tief verwurzelt sind, kann man am Besten in der Natur erkennen: An der Farbe der Beeren erkennen wir den Reifegrad oder durch die Verfärbung der Blätter stellen wir die Jahreszeit fest. Auch in der modernen Architektur können sie einen großen Einfluss auf den Raum und unser Wohlbefinden haben. Sie können den Stoffwechsel anregen, Stress vermindern oder die Konzentration erhöhen. Je nach Auftragungsart können sie einen Raum vergrößern oder verkleinern, entspannen oder beleben. 

Große Flächen für mehr Wirkung 
Das Farbkonzept eines Raumes basiert auf der Ausstattung des Raumes, den Proportionen, der Belichtung, die alle mit Fingerspitzengefühl ausgewählt und abgestimmt sein müssen, um das optimale Ergebnis zu erzählen. Dabei reicht es nicht nur, wenige bunte Bilder oder Dekogegenstände aufzustellen, um eine spezifische Stimmung zu erzeugen. Nur durch große Flächen (Boden, Decke oder Wände) wird wirklich ein Unterschied gemacht. Kleine Flächen eigenen sich gut, um verschiedene Akzente zu setzen.

Farben sind Teamplayer
Das Zusammenspiel aller Farben – auch "Farbklänge" genannt – steht zwischen den Akzenten und Großfarbflächen im Mittelpunkt. Farben reagieren sehr stark aufeinander und ähnlich eines Musikstücks werden Töne auf Töne abgestimmt – nur dadurch können sich angenehme oder unangenehme Harmonien ergeben. Weitet man das auf mehrere Räume des Gebäudes aus, sollten nicht nur die Farben eines Raumes in sich abgestimmt sein. Beim Durchschreiten mehrerer Räume sollte eine stimmige Hamonie entstehen. 

Farben kommunizieren
Durch das Zusammenspiel ergeben sich auch verschiedenste Effekte von Farbkombinationen, die auch bei der Kontrastlehre von Johannes Itten beschrieben sind. Es gibt Farben, die sich gegenseitig zum Leuchten bringen, andere dämpfen einander wiederum ab, manche wirken in Kombination beruhigend. Wenn man versucht, einem Raum Dynamik zu verleihen, wählt man optimalerweise starke Kontraste, während weiche und geringe Kontraste eher beruhigend wirken und die Entspannung fördern. Zusätzlich kommt die Wirkung der Farbe auf die Position bzw. Verwendung an. Ein hellblauer, glänzender Boden wirkt eher verunsichernd und destabiliserend, während sich eine Decke in hellblau frei und offen gibt. 

Ohne Licht bedeutungslos
So wie Farben sich gegenseitig beeinflussen können, hat auch Licht eine große Wirkung darauf, wie wir Farben wahrnehmen. "Erst Licht bringt Farben zum Strahlen und somit zum Erscheinen. Wir brauchen Licht um Farben wahrzunehmen. Licht und Farben sind zwei Gebäudesoftskills, die einander bedingen und auch verändern können", erklärt Pia Anna Buxbaum. (sgl)

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